Die neue Pflicht zum „Widerrufsbutton“
Ab dem 19. Juni 2026 wird für B2C-Online-Shops ein gesetzlicher Widerrufsbutton verpflichtend.
- Funktionsweise: Ähnlich wie der bereits bekannte Kündigungsbutton für Abos muss der neue Button einen Widerruf ohne vorherigen Login ermöglichen.
- Technik: Es ist eine zweistufige Bestätigung erforderlich. Der Kunde muss seine Identität und den Vertrag über eine Eingabemaske klar zuordnen können.
- Sanktionen: Fehlt der Button, können Kunden Verträge auch über die reguläre 14-Tage-Frist hinaus widerrufen; zudem drohen teure Abmahnungen.
Ende des „einfachen“ Rechnungskaufs (BNPL)
Die überarbeitete EU-Verbraucherkreditrichtlinie muss bis zum 20. November 2026 in nationales Recht umgesetzt sein.
- Betroffene Dienste: „Buy Now, Pay Later“ (BNPL) wie Klarna oder PayPal-Ratenzahlung fallen künftig unter das strenge Kreditrecht.
- Neue Hürden: Auch für Kleinstbeträge (zuvor oft unter der 200-Euro-Grenze befreit) werden nun umfassende Bonitätsprüfungen und vorvertragliche Informationspflichten zur Pflicht.
- Risiko für Händler: Die zusätzliche Bürokratie könnte den schnellen Checkout-Prozess („Ein-Klick-Kauf“) verlangsamen und die Abbruchquoten erhöhen.
KI-Transparenz durch den EU AI Act
Bis Mitte 2026 treten die meisten Bestimmungen des EU AI Act in Kraft.
- Kennzeichnungspflicht: Jede Interaktion auf einer Webseite, die durch KI gesteuert wird (z. B. Chatbots zur Kundenberatung), muss als solche eindeutig gekennzeichnet sein.
- Deepfakes & Medien: KI-generierte Bilder oder Texte in Produktbeschreibungen müssen als „manipuliert“ oder „generiert“ markiert werden.
- Dokumentation: Betreiber müssen nachweisen können, dass ihre Systeme (z. B. Algorithmen für personalisierte Preise) nicht diskriminierend wirken.
Barrierefreiheit
Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG): Auch wenn die Hauptfrist im Juni 2025 liegt, müssen Unternehmen 2026 sicherstellen, dass Ihre Webseiten vollständig barrierefrei gemäß WCAG 2.1 Level AA zugänglich sind, um Bußgelder bis zu 100.000 € zu vermeiden. 2026 rückt die Kontrolle stärker in den Fokus.
Fazit
Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt für das digitale Business, da neue EU-Vorgaben den Fokus massiv auf Transparenz, Ehrlichkeit und Nutzerfreundlichkeit legen. Während Betreiber von Online-Shops und Webseiten durch den neuen Widerrufs-Button und die Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte technisch wie inhaltlich gefordert werden, bietet diese Entwicklung die große Chance, durch klare Kommunikation und Barrierefreiheit echtes Kundenvertrauen zu gewinnen und sich durch Fairness vom Wettbewerb abzuheben.